Zwei Menschen legen sich in ein Zimmer, machen die Tür zu und dampfen acht Stunden lang einen halben Liter Wasser in die Luft [1]. Das Wasser sucht sich die kälteste Stelle im Raum und wartet da. Im Frühjahr wundern sich die beiden über den dunklen Fleck hinter dem Schrank und über die Allergie.
Kurz gesagt: 40 bis 60 Prozent Luftfeuchte. Darüber wird die Matratze zur Milbenfarm: Du fütterst sie nachts mit Hautschuppen, sie bezahlen mit Kot, und auf den Kot bist du morgens allergisch. Kalte Ecken werden nass und schimmeln, während du davor schläfst. Darunter trocknen dir Augen und Rachen aus, und du gibst dem Wetter die Schuld. Ein Hygrometer kostet fünf Euro. Das ist der Preis dafür, es zu wissen.
Über 60 Prozent: Du züchtest
Schimmel braucht keine nasse Wand. Ihm reicht eine Fläche, die ein paar Tage über 80 Prozent Feuchte hat [1]. Das passiert nicht in der Raummitte, wo das Hygrometer steht. Das passiert hinter dem Kleiderschrank an der Außenwand, in der Fensterlaibung, oben in der Ecke. Also überall, wo du nicht hinschaust, und genau deshalb dort.
Die Rechnung dazu: Bei 20 Grad und 60 Prozent Feuchte liegt der Taupunkt bei 12 Grad [2]. Kühlt eine Ecke im Winter auf 12 Grad ab, ist sie nass. Bei 50 Prozent Raumfeuchte liegt der Taupunkt bei gut 9 Grad. Zehn Prozent weniger Feuchte im Raum sind drei Grad Reserve an der Wand. Das ist der Unterschied zwischen einem Fleck und einem Handwerker.
Dann die Milben. Hausstaubmilben trinken nicht. Sie ziehen ihr Wasser aus der Luft und brauchen dafür über 50 Prozent Feuchte. In Wohnungen, die dauerhaft darunter gehalten wurden, gingen Milben und Allergene deutlich zurück [3]. Sie wohnen in deiner Matratze. Warm, feucht, und das Futter fällt jede Nacht von oben. Was die Matratze sonst noch abgibt, steht hier.
Unter 40 Prozent: Du trocknest aus
Im Winter kommt Luft mit 0 Grad und 80 Prozent Feuchte durchs Fenster. Auf 20 Grad erwärmt hat dieselbe Luft noch 21 Prozent [2]. Es ist kein Wasser verschwunden. Warme Luft könnte nur viel mehr tragen, also wirkt sie leer.
Unter 30 bis 40 Prozent trocknen Nase, Rachen und Augen aus. Wolkoff hat die Studien dazu zusammengefasst: Trockene Luft könnte Augen und Atemwege reizen, vor allem bei Bildschirmarbeit und in geheizten Räumen [4]. Der kratzige Hals am Morgen ist nicht das Wetter. Das Wetter ist draußen. Drinnen ist deine Heizung.
| Relative Luftfeuchte | Bewertung | Was passiert |
|---|---|---|
| unter 30 Prozent | zu trocken | Schleimhäute, Augen, Haut trocknen aus |
| 30 bis 40 Prozent | grenzwertig | im Winter üblich, morgens spürbar |
| 40 bis 60 Prozent | Zielspanne | weder Milben noch Reizung |
| 60 bis 70 Prozent | auffällig | Milben vermehren sich, kalte Ecken werden kritisch |
| über 70 Prozent | inakzeptabel | Schimmelrisiko an jeder kühlen Fläche |
Was du heute tun kannst
- Hygrometer aufs Nachtschränkchen. Fünf Euro. Morgens ablesen, vor dem Lüften. Der Morgenwert zählt. Nachmittags ist keiner da, der atmet.
- Morgens fünf Minuten weit auf. Bettdecke zurück. Die Nachtfeuchte muss raus, bevor sie in Matratze und Wand einzieht.
- Nicht auskühlen lassen. 16 bis 18 Grad, nicht 12. Kalte Wände sind feuchte Wände, egal wie sparsam sich das anfühlt.
- Schrank und Bett zehn Zentimeter von der Außenwand weg. Luft, die nicht an die Wand kommt, trocknet sie auch nicht.
- Keine Wäsche im Schlafzimmer. Ein Wäscheständer gibt mehrere Liter Wasser ab. Das sind zwei zusätzliche Menschen im Raum, die nicht mal mit dir reden.
- Luftbefeuchter nur mit Hygrometer daneben. Der Ultraschallnebler mit Aromafach aus dem Werbevideo ist kein Messgerät. Das ist ein Milbenbrunnen mit Duft.
Wenn du nicht raten willst
Wir haben dein Schlafzimmer nicht gemessen. Feuchte ist von allem, was in einem Raum passiert, am einfachsten zu messen. Trotzdem hängt fast nirgends ein Hygrometer. Die Leute kaufen lieber ein Antiallergikum.
Fragen? Schreib uns, auch wenn eine Ecke schon dunkel ist. Du willst wissen, wo dein Raum steht? Buch ein Audit. Bis dahin: Hygrometer kaufen, morgen früh ablesen, dann lüften. In der Reihenfolge.