Schadstoffe

Raumspray: Der Geruch bleibt, das Parfüm kommt obendrauf

Duftstecker, Raumspray, Duftgel: Was ein Lufterfrischer wirklich in die Luft bringt, warum er nichts entfernt und was du stattdessen mit dem Geruch machst, der dich stört.

Ein Mensch riecht in seiner Wohnung etwas, das er nicht riechen will. Statt nachzusehen, woher es kommt, steckt er ein Gerät in die Steckdose, das 24 Stunden am Tag Parfüm verdampft. Jetzt riecht er beides. Auf der Packung steht „Frische“.

Kurz gesagt: Ein Lufterfrischer entfernt nichts. Er legt Parfüm über den Geruch und pustet dabei Dutzende Stoffe in die Luft, die nicht auf der Packung stehen. Die Duftstoffe reagieren mit Ozon aus der Außenluft zu Formaldehyd und Feinstaub. Der Geruch, den du überdecken wolltest, hat eine Ursache. Sie ist billiger als der Stecker und riecht danach nach nichts. Das ist das Ziel.

Was ein Lufterfrischer tut

Er erfrischt keine Luft. Luft wird durch ein Fenster frisch, nicht durch ein Gel. Ein Lufterfrischer gibt Duftstoffe ab, sonst nichts. Beim Spray in einem Stoß, beim Stecker über Wochen, mit einem Heizelement, das den Duft dauerhaft verdampft. Der Stecker ist eine Duftkerze, die nie ausgeht.

Was dabei rauskommt, hat Anne Steinemann an 37 handelsüblichen Produkten gemessen, darunter Lufterfrischer: 156 verschiedene flüchtige Stoffe, 42 davon als giftig oder gefährlich eingestuft, weniger als drei Prozent auf der Packung angegeben [1]. In einer Befragung berichteten rund 35 Prozent der Leute von Beschwerden durch parfümierte Produkte, von Kopfschmerzen bis Atemnot [2]. Der Rest hat sich gewöhnt. Gewöhnung ist kein Freispruch, das ist nur die Nase, die aufgibt.

Was in der Luft daraus wird

Die Duftstoffe sind meist Terpene: Limonen riecht nach Zitrone, Pinen nach Wald, Linalool nach Lavendel. Für sich genommen harmlos genug. Nur bleiben sie nicht für sich. Sie reagieren mit Ozon, das mit der Außenluft reinkommt, zu Formaldehyd und zu ultrafeinen Partikeln [3]. Singer und Kollegen haben das mit einem Duftstecker im Testraum nachgestellt: Sobald Ozon dabei war, entstand Formaldehyd, und die Partikelzahl stieg [4]. Der Lavendelduft aus der Steckdose ist also Lavendel plus ein bisschen Chemieunterricht, und du bist das Reagenzglas.

Formaldehyd hat einen Richtwert von 0,1 ppm für Raumluft [5]. Ein koreanisches Team hat Lufterfrischer in der Prüfkammer untersucht und fand neben den Duftstoffen Formaldehyd und weitere Aldehyde in der Abluft [6]. Das Gerät, das den Geruch beseitigen soll, stellt einen neuen her. Der ist nur geruchsärmer.

Produkt Was es macht Was dabei entsteht
Raumspray Duftstoß, Tröpfchen in der Luft Terpene, Lösemittel, Treibgas, Feinstaub
Duftstecker verdampft Duft dauerhaft, oft mit Heizelement Terpene rund um die Uhr, mit Ozon: Formaldehyd
Duftgel, Duftbaum verdunstet langsam Terpene, Weichmacher aus dem Träger
Fenster auf tauscht die Luft aus nichts, das ist der Punkt
Was von 156 gemessenen Stoffen aus Duftprodukten deklariert war (Stoffe)

Die Zahlen stammen aus der Untersuchung von Steinemann [1]. Weniger als drei Prozent stehen drauf. Der Rest heißt „Duft“.

Der Geruch, den du eigentlich meinst

Jeder Geruch hat eine Quelle. Feuchte Wand, Mülleimer, alte Matratze, Katzenklo, der Abfluss, die Spanplatte im Schlafzimmer, die Kerze von gestern. Ein Lufterfrischer ändert an keiner dieser Quellen etwas. Er sorgt nur dafür, dass du sie nicht mehr bemerkst. Das ist der Unterschied zwischen einem Rauchmelder und einem Kissen auf dem Rauchmelder.

Muffig ist meistens Feuchte. Wenn es im Schlafzimmer morgens muffig riecht, liegt die Feuchte über 60 Prozent, und das steht hier. Wenn ein Möbel nach Wochen noch riecht, ist das kein Geruch, das ist Formaldehyd, und das steht hier. Wenn es nach Rauch riecht, war die Kerze das. Wenn die Luft morgens einfach verbraucht ist, das ist CO₂, und die Tür war zu.

Was du heute tun kannst

  1. Stecker raus. Der Duftstecker läuft rund um die Uhr, auch wenn keiner da ist. Er hat in einem Schlafzimmer nichts zu suchen und im Rest der Wohnung auch nicht.
  2. Quelle suchen. Nase an die Wand, in den Schrank, unter das Bett, in den Abfluss. Der Geruch ist eine Information. Du hast sie bis jetzt weggesprüht.
  3. Fünf Minuten weit auf. Zweimal am Tag. Das ist der einzige Lufterfrischer, der die Luft tatsächlich austauscht, und er ist kostenlos.
  4. Mülleimer, Abfluss, Matratze. Die drei häufigsten Quellen, in dieser Reihenfolge. Mülleimer leeren, Abfluss mit heißem Wasser spülen, Matratze morgens abdecken und lüften.
  5. Wenn es weiter riecht, ist die Quelle in der Wand oder unter dem Boden. Dann hilft kein Fenster mehr, sondern ein Blick dahinter.
  6. Wenn du Duft willst, dann aus der Küche. Kaffee, Brot, Zwiebeln in der Pfanne. Alles davon hat weniger Chemie als ein Stecker mit „Bergfrühling“.

Wenn du nicht raten willst

Wir haben deine Wohnung nicht gerochen. Welche Quelle hinter dem Geruch steckt, wissen wir nicht, aber wir wissen, dass ein Stecker sie nicht wegmacht. Die Studien sagen, was er stattdessen in die Luft bringt. Die Packung sagt „Frische“. Nur eins von beidem wurde gemessen.

Fragen? Schreib uns, gern mit einer Beschreibung, wie es riecht und wann. Du willst wissen, was wirklich in deiner Luft ist? Buch ein Audit. Bis dahin: Stecker raus, Fenster auf, und dem Geruch einmal zuhören, statt ihn zu übertönen.

Quellen

  1. Steinemann, A. (2015): Volatile emissions from common consumer products. Air Quality, Atmosphere & Health 8, S. 273–281. doi.org/10.1007/s11869-015-0327-6
  2. Steinemann, A. (2016): Fragranced consumer products: exposures and effects from emissions. Air Quality, Atmosphere & Health 9, S. 861–866. doi.org/10.1007/s11869-016-0442-z
  3. Nazaroff, W. W. und Weschler, C. J. (2004): Cleaning products and air fresheners: exposure to primary and secondary air pollutants. Atmospheric Environment 38(18), S. 2841–2865. doi.org/10.1016/j.atmosenv.2004.02.040
  4. Singer, B. C. et al. (2006): Indoor secondary pollutants from cleaning product and air freshener use in the presence of ozone. Atmospheric Environment 40(35), S. 6696–6710. doi.org/10.1016/j.atmosenv.2006.06.005
  5. Ausschuss für Innenraumrichtwerte (2016): Richtwert für Formaldehyd in der Innenraumluft. Bundesgesundheitsblatt 59, S. 1040–1044. doi.org/10.1007/s00103-016-2389-5
  6. Kim, S. et al. (2015): Characterization of air freshener emission: the potential health effects. The Journal of Toxicological Sciences 40(5), S. 535–550. doi.org/10.2131/jts.40.535

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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